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Reisen zu unerreichbaren Orten G. I. Gurdjieffs mystische Kompositionen begegnen „Gurdjieff ist die unmittelbarste, gültigste und die
George Ivanovitch Gurdjieff (?-1949) ist eine der schillerndsten und rätselhaftesten Figuren in der spirituellen Szene des beginnenden 20. Jahrhunderts. Er wurde wahrscheinlich zwischen 1866 und 1877 im damaligen Grenzgebiet zwischen der Türkei und Rußland geboren. Seine Herkunft und viele Jahre seines Lebens sind nicht dokumentiert. Gurdjieff neigte dazu, Geschichten und Menschen zu erfinden. Doch wird er tatsächlich einige seiner Reisen durch Asien und Nordafrika unternommen haben, wodurch er viele unterschiedliche esoterische Schulen kennen lernte, vor allem sufistische Orden. Sicher ist, daß er in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts nach Europa zurückkehrte und ein Wissen mitbrachte, das dort bis dahin weitgehend unbekannt war, sowie eine Lehre, die auf den Erfahrungen und Erkenntnissen seiner Reisen beruhte. Er begann seine Lehrtätigkeit in Moskau und St. Petersburg, mußte aber während der Revolution 1918 fliehen und erreichte mit einer Gruppe seiner Schüler nach einer abenteuerlichen Odyssee schließlich Frankreich. In der Nähe von Fontainebleau bei Paris gründete er sein „Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen“. 1933 siedelte Gurdjieff endgültig nach Paris um, wo er bis zu seinem Tode 1949 weiter lehrte und umfangreiche Schriften verfaßte. Zusammen mit dem Komponisten und Pianisten Thomas de Hartmann schuf Gurdjieff zwischen 1924-1927 zahlreiche Klavierwerke, zum großen Teil auf Grundlage der spirituell-musikalischen Eindrücke, die er von seinen Reisen mitgebracht hatte. „Ich hatte eine sehr schwierige und herausforderungsvolle Zeit mit dieser Musik. Herr Gurdjieff pfiff oder spielte mit einem Finger auf dem Klavier eine sehr komplizierte Art von Melodie - wie es alle östlichen Melodien sind, obwohl sie zunächst monoton scheinen. Diese Melodie zu erfassen, sie in europäische Notation zu übertragen, erforderte eine Tour de Force“ (Thomas de Hartmann). Thomas Alexandrovich de Hartmann (1885-1956) wurde in der Nähe von Kiew geboren, diplomierte 1908 am Konservatorium von St. Petersburg, studierte bis 1912 bei Felix Mottl, dem damaligen musikalischen Leiter der Münchener Oper und war zusammen mit seinem engen Freund Kandinsky ein Mitglied des „Blauen Reiters“. 1916 folgte er Gurdjieff auf eine abenteuerliche zwölfjährige Reise bis nach Frankreich. Dort war er als Komponist tätig und wurde ein enger Freund von Pablo Casals. Nach Gurdjieffs Tod förderte er dessen Lehre in den USA. Gurdjieffs Lehre enthält mystische Elemente aus Sufismus, Buddhismus, Christentum, Gnosis, der Lehre Zoroasters und der Kabbala. Sein Aufruf war radikal: „Wach auf! Wach auf von Deinem unvermuteten hypnotischen Schlaf, zu Bewußtsein und Gewissen.“ Genau dieser Ruf ist eine der wichtigsten Grundlagen des Sufismus. Gurdjieff hatte 1920 zusammen mit seinem Schüler und musikalischen Partner Thomas de Hartmann in Istanbul eine Wohnung in unmittelbarer Nähe des Versammlungsraumes der Mevlevi-Derwische von Galata bezogen. Dort beobachteten sie beinahe täglich das musikalisch-tänzerische Ritual des Sufi-Ordens und nahmen entscheidende spirituelle und musikalische Eindrücke auf ihre weiteren Reisen mit, die später in ihre rituellen Tanzchoreographien und Klavierwerke Eingang fanden Die „Danses Derviche“, „Chants et Danses Sayyid“ und „Mélodies Orientales“, obwohl teilweise sogar für obligate Begleitung mit Rahmentrommel komponiert, sind keine sklavischen Aneignungen traditioneller ethnischer Musiken. Gurdjieff und De Hartmann transformierten die Archetypen alter spirituell-musikalischer Traditionen des Orients auf das archetypische Instrument Europas, das Klavier, um Fragen zu beantworten, denen sich Orient & Okzident nur gemeinsam stellen können. Unsere „Retour de Voyage“ vereint Klavier, traditionelle Musik aus dem Mevlevi-Sema und das Drehen der Derwische vom Goldenen Horn, die Gurdjieff und De Hartmann bereits vor einem Jahrhundert inspirierten, zu einem westöstlichen Ritual für die moderne Kathedrale postmoderner Gläubigkeit: den Konzertsaal.
Celaleddin Biçer: Ney (Rohrflöte), Kanun (Psalter) / Christopher Miltenberger: Klavier / Ahmet Kadri Rizeli: Kemençe (Schoßfiedel), Perkussion / Vladimir Ivanoff: Perkussion, musikalische Leitung / Ibrahim Birlikay, Metin Erkus: Wirbelnde Derwische www.sarband.de |
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